
Editorial Design: Ordnung muss sein
Eine einzelne Seite kann man gestalten, bis sie wirkt. Bei achtzig Seiten geht das nicht mehr – dort entscheidet nicht die schöne Doppelseite, sondern das Raster, nach dem alle anderen entstehen. Und anders als bei einem Plakat bestimmt der Leser selbst, wo er einsteigt, wie lange er bleibt und was er überspringt. Man kann ihn nicht führen, nur dafür sorgen, dass er sich zurechtfindet.
Das Raster steht vor dem ersten Text
Die wichtigsten Entscheidungen fallen, bevor Inhalte vorliegen: wie viele Spalten, welche Bildformate, wie verhalten sich Fließtext, Bildunterschrift und Auszeichnung zueinander, was passiert bei zu viel und zu wenig Text. Ein gutes Raster beantwortet diese Fragen im Voraus. Ein schlechtes beantwortet sie bei jeder Seite neu – und man sieht es.
Typografie ordnet, sie schmückt nicht
Ein umfangreicher Text ist nicht gleichmäßig wichtig. Überschriften, Zwischentitel, Fließtext, Bildunterschriften und Randnotizen haben unterschiedliches Gewicht, und dieses Gewicht muss man sehen können, bevor man liest. Genau das leisten Schriftgrößen, Abstände und Auszeichnungen: Sie zeigen dem Leser, was er überspringen darf und wo er einsteigen sollte. Je dichter die Information, desto weniger Mittel braucht es dafür – und desto klarer müssen die wenigen eingesetzt sein.
Was in der Praxis anfällt
Geschäftsberichte und Nachhaltigkeitsberichte, Fachbroschüren und Produktpublikationen, Kataloge, Magazine, Reiseführer, Zeitungsbeilagen. Häufig in Reihen, die über Jahre erscheinen – dann ist das Raster nicht nur Werkzeug, sondern Bestandteil der Marke.


